Sierra de Huétor
Spanien
2025

Peñón de la Mata


28. 11. 2025

Peter Schrammel

Wetter

wolkenlos

Bewertung 

****: Anspruchsvolle Tour auf den Hausberg des Bergsteigerdorfs Cogollos Vega

Wegverlauf

Cogollos de la Vega, Umbría de la Tejar, 1130m - Cruz de Cogollos, 1435m - Scharte, 1595m - Peñón de la Mata, 1669m - Westgipfel, 1667m - Scharte - Sattel, 1415m - Umbría de la Tejar

Höhenmeter

595m

Weglänge

9km

Zeitaufwand

3h20 (0:45 + 0:45 + 0:15 + 0:05 + 0:15 + 0:25 + 0:50)

Kondition 

D

Schwierigkeit 

I: Schlucht zur Scharte I; eine Stelle 0+ zum Westgipfel; Abstieg zum Sattel sehr steil 0

Gefährlichkeit 

5: Querung kurz vor der Schlucht 4; Grat zum Westgipfel 5; Gipfelbereiche!

Besucheraufkommen 

a: wochentags niemand

Bemerkungen

Abstieg vom Gipfel: Folgt man dem Weg und passt nicht genau auf, dass man die Gipfelschlucht rechtzeitig nach Südosten verlassen muss, hat man eine zweite Chance durch eine auffällige, schmale Felsspalte wieder auf den Weg zurückzukehren.\nAbstieg von der Scharte: Sofort nach Norden in die mit Dornengestrüpp verwachsene Schlucht absteigen. Zu rechter Hand baut sich allmählich eine gewaltige Felswand auf, die den Schluchtgrund von dem breiten Ostrücken trennt. Der Ostrücken ist auf allen Seiten durch Felswände begrenzt.

Bericht

Nachdem ich nach der ersten Tour auf meiner Bergwoche in Granada gleich einmal einen Ruhetag gebraucht hatte, wählte ich etwas Gemütlicheres für die zweite Tour. Bei der Rückkehr von meinem Ausflug nach Córdoba waren mir die schroffen, zuckerhutförmigen Kalkgipfel nördlich von Granada aufgefallen, allen voran der Peñón de la Mata, der bei Sonnenuntergang orangerot glühte. Um 6 Uhr 45 fuhr ich über Güevéjar in das Bergsteigerdorf Cogollos de la Vega mit seiner von weitem sichtbaren Kletterwand am Dorfeingang. Im zweiten Anlauf fand ich das schmale, steile Gässlein, das mich hinauf in die Olivenhaine zu meinem Ausgangspunkte brachte. Es begann gerade zu dämmern, als ich mich kurz nach 7 Uhr 30 auf den Weg machte. Eine Schotterstraße führte mich auf einen Sattel, wo der mit Holzpfählen markierte Weg abzweigte. Am Bauernhof am Ende der Straße machten Hahn und Hund auf sich aufmerksam. Wegen zahlreicher Steigspuren war die Wegführung in dem schütter bewachsenen Hang nicht immer ganz klar, aber ich fand immer wieder einen, wenn auch liegenden, Markierungspfahl. Der Blick über das weite Becken von Granada wurde immer beeindruckender, als der wolkenlose Horizont und die umliegenden Berge ins Morgenrot getaucht wurden. Die Sierra Elvira ragte wie ein Vulkan aus der Hochebene neben der glitzernden Embalse del Cubillas. Nach 45min hatte ich einen Sattel erreicht, von dem ich einen Abstecher auf die mit Cruz de Cogollos bezeichnete, aussichtsreiche Felskuppe machte. Inzwischen hatte die Sonne auch schon den Felskopf des Peñón de la Mata erreicht. Ich folgte den Markierungen entlang der Südseite das Rückens. Dabei umging ich zwei weitere Felskuppen, die aber auch leicht überklettert werden könnten. Was in den Karten als "Hütte" eingezeichnet ist, ist selten mehr als ein dachloser Ruinenrest. Der Westgrat des Peñón de la Mata schaute einladend aus, war aber mit II+ und sehr ausgesetzt bezeichnet - daher für ein anderes Mal. Plötzlich bewegte sich etwas in der Steilflanke. Zuerst sah ich einen Steinbock. Dann als ich meinen Fotoapparat vorsichtig herausnahm und die Felswand nach und nach absuchte, zählte ich mindestens 25. Sie beobachteten mich ebenso und zogen äsend auf den Felsstufen höher. Nachdem ich mich satt gesehen hatte, zog auch ich weiter und überraschte dabei einen Steinbock, der in spektakulären Sätzen durch schwieriges Klettergelände in Richtung seines Rudels flüchtete. Dabei blieb er immer wieder stehen und lugte zu mir herunter. Der weitere Weg sollte durch eine Schlucht auf eine Scharte führen. Um dorthin zu gelangen, musste ich eine Felsrippe passieren, die nach Süden hinunterzieht. Dort tanzten noch eine Steinbockfamilie herum. Sogar die Kleinsten prahlten mit ihren tollkühnen Kletterkünsten. Der Einstieg in de Schlucht war von einem gewaltigen, bauchigen Überhang und einer gigantischen Felsnadel flankiert. Ich konnte die Steinblöcke, die die Mitte der Schlucht blockierten, über die Felsen am rechten Rand umklettern. Kurz danach erreichte ich die Scharte, von wo sich der Weg durch abschüssige Karren nach oben schlängelt. Durch eine grasige Schlucht mit einer weiteren verfallenen Hütte gelangte ich schließlich zum Gipfel und über leichte Kraxelei weiter zum Westgipfel. Es war 9 Uhr 30. Ich jausnete und genoss fast eine Stunde lang die wärmende Sonne und Aussicht zur Sierra Nevada im Süden, den nahen Peñón de Majalijar, den ich mir am nächsten Tag vornehmen würde, die Olivenplantagen im Tal des Río Blanco im Norden und die unendliche Weite in Richtung Westen. In Ermangelung eines Gipfelbuchs, waren die Felsen auf dem Hauptgipfel mit Namen und Daten bekritzelt. Beim Abstieg verstieg ich mich gleich zweimal: zuerst ging ich die Gipfelschlucht zu weit hinunter, und dann nahm ich von der Scharte den offensichtlichen Abstieg über den Ostrücken. Beide Male kam mir etwas komisch vor und ich stieg wieder zurück auf und fand nach genauerer Konsultation von Karte und GPS den richtigen Weg im von kleinräumig in Schluchten und Felswände gegliederten Gelände. Der Abstieg von der Scharte in die Nordostschlucht war genauso beeindruckend wie steil und rutschig. Als ich um 11 Uhr den Sattel erreichte, war es völlig klar, dass Umkehren die richtige Wahl war: der Ostrücken endet in einer gewaltigen U-förmigen Felswand. Der Weg zurück zum Ausgangspunkt querte die Nordflanke. Dieser Weg war wieder mit Holzpfählen markiert, stellenweise aber von Kühen zertrampelt, die sich im Gestrüpp aufhielten. Auf einem Fahrweg, dessen Serpentinen ich an zwei Stellen abkürzen konnten, kam ich um 11 Uhr 50 wieder beim Auto an. Wochentags war mir auf der gesamten Strecke keine Menschenseele begegnet.



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