Sengsengebirge und Reichraminger Voralpen
Österreich
2022

Kl. und Gr. Größtenberg


23. 9. 2022

Peter Schrammel

Wetter

wolkenlos, Schnee ab 1500m

Bewertung

****: Toller Aussichtsberg - mit Schnee ist auch der Weg interessant

Wegverlauf

Bodinggraben, 641m - Steyrsteg, 946m - Weingartalm, 1154m - Kl. Größtenberg, 1720m - Gr. Größtenberg, 1724m - Weingartalm - Steyrsteg - Bodinggraben

Höhenmeter

1218m

Weglänge

18km

Zeitaufwand

6h (1 + 1/2 + 1 1/2 + 2/3 + 1 + 1/3 + 1)

Kondition

E

Schwierigkeit

0+: ein paar hohe Stufen in den Latschengassen

Gefährlichkeit

4: Steilabstürze entlang des Steigs im Schneetal 4, Aufstieg zu den Größtenbergen 1-2, Vorsicht auf Steilabstürze in der Nähe des Gipfelgrats zum Kl. Größtenberg

Besucheraufkommen

b: 5 Leute entlang der gesamten Strecke

Bemerkungen

Zufahrt zum Jagahäusl-Parkplatz ist nur von 6-9 Uhr möglich. Es ist möglich mit dem Mountainbike bis Steyrsteg aufzufahren (+++). Das spart insgesamt ca. 40min. Die Auffahrt zur Weingartalm ist leider nicht erlaubt.

Bericht

Nachdem ich am Vortag die Schneelage ausgekundschaftet hatte, war klar geworden, dass ich einen einfachen, nicht allzu hohen Gipfel auswählen müsste. Der Hohe Nock kam in die engere Wahl; allerdings könnte dort der Schnee ab 1500m etwas problematisch werden. Daher entschied ich mich für den Größtenberg, der etwas niedriger und am Gipfel flach ist. Mein Fahrrad war wegen der kaputten Bremsen nicht einsatzbereit; sonst hätte ich von Bodinggraben bis Steyrsteg auffahren können. Die Strecke vom Jagahäusl ist aber auch ohne Fahrrad machbar. Die Zufahrt zum Parkplatz mit dem Auto ist aber nur von 6 bis 9 Uhr erlaubt. Daher fuhr ich kurz nach 6 Uhr von Amstetten weg und über Steyr nach Molln und weiter in den endlos langen Bodinggraben. Die Straße dorthin wird allmählich immer schmäler bis sie in einen Schotterweg übergeht. Um 8 Uhr war ich als zweites Auto beim Parkplatz. Es war an diesem Wochentag also kein großer Andrang zu erwarten. Ich marschierte flott auf der flachen Forststraße in die Schlucht der Krummen Steyrling hinein. Der blaue Himmel ließ einen tollen Tag erwarten. Meine Finger froren bei -2°, kamen aber nach einigen Minuten auf Betriebstemperatur. In diesen abgeschiedenen Tälern treiben sich regelmäßig auch Bären herum, was nicht sehr verwunderlich ist. Ein paar Mal musste ich mich nach dem Knacken von Zweigen umdrehen, ob nicht eh schon einer hinter mir her wäre. Der in die Felsflanke hoch über der Schlucht geschlagene Karrenweg war genauso beeindruckend, wie ich ihn von meiner Mountainbiketour vor 3 Jahren in Erinnerung hatte. Die Wasseroberfläche des Bachs glitzerte ganz golden im Gegenlicht. Kurz nach 9 Uhr erreichte ich die Forststraße, die zur Weingartalm führt. Ein Hirsch röhrte in den Wäldern oberhalb. Auf der Weingartalm konnte ich im Gegenlicht plötzlich Gestalten ausmachen - ein Wanderpärchen, das von Windischgarsten aufgestiegen waren. Der schneebedeckte Pyhrgas hob sich kontrastreich gegen die grünen Almwiesen ab. Mehr und mehr Schneegipfel wurden sichtbar, als wir höher durch den lichten Hochwald aufstiegen. Nach einiger Zeit überholte ich das Pärchen. Kurze Zeit später begannen die ersten Schneeflecken und in den Dolinen des Halterhüttentales war tiefer Frost. Trittspuren vom Vortag machten die Navigation einfach. Die Markerungen waren häufig vom Schnee verdeckt. Ich wollte zuerst auf den Kleinen Größtenberg aufsteigen. Die Abzweigung musste irgendwann kommen. Als ich sie suchte, war ich schon einige Meter zu weit gegangen. Die Trittspuren waren aber dann eindeutig. Der Weg führt zuerst über eine Latschengasse nach Südwesten, bevor eine breitere felsdurchsetzte Latschengasse auf direktem Weg zur Gipfelschneide emporsteigt. Kurz bevor man diese erreicht, biegt der Weg nach Süden ab und führt auf und ab entlang der Schneide zum Gipfelkreuz. Es war 11 Uhr und die Fernsicht war fantastisch: Haller Mauern und Totes Gebirge, die Niederen Tauern in der Ferne und das Sengsengebirge in der Nähe; im Norden die Voralpenberge bis hinaus in die Ebenen des Alpenvorlandes. Der runde Doppelgupf des Größtenbergs sehr markant von Amstetten aus zu sehen. Nachdem ich das Panorama genossen hatte, machte ich mich auf zum Großen Größtenberg, der nur ein paar Meter höher ist. Auf dem Weg hinunter begegnete ich einem Alpensalamander, der sich langsam über den Schnee bewegte, um sich an einem sonnigen Plätzchen aufzuwärmen. Auf dem Sattel kam mir das Pärchen entgegen. Sie waren im Aufstieg zum Großen Größtenberg im Schnee stecken geblieben und hatten dann umgedreht. Ich folgte ihren Spuren aufwärts und suchte den Weg an der Stelle, an der sie nicht mehr weiterkamen. Es konnte eigentlich nur nach rechts weitergehen, obwohl dort die Latschen tief herunterhingen und den Weg versperrten. Ich kämpfte mich im 30-40cm tiefen Schnee durch, und siehe da: die Latschengasse ging tatsächlich weiter und wenig später fand ich auch eine Markierung. Den weiteren Weg musste ich nun spuren, was nicht sehr schwierig war; nur bei ein paar höheren Felsstufen war Vorsicht geboten. Bald erreichte ich die Anhöhe, von der sich das Panorama in die Gesäuseberge eröffnete. Das Gipfelkreuz war am anderen Ende des kleinen Plateaus, das ich in einem Ab und Auf überqueren musste. Um 12 Uhr 15 hatte ich das Gipfelkreuz erreicht und konnte die Fernsicht ein zweites Mal genießen: Ötscher, Dürrenstein, Schneeberg und Hochschwab waren nun deutlich zu sehen. Auf dem Kleinen Größtenberg waren zwei Wanderer zu sehen: möglicherweise das Pärchen. Nach der Gipfeljause stieg ich ab. Auf dem Sattel begegnete ich nun aber einem jungen Pärchen, die mich nach dem Weg fragten. Nachdem ich schon gespurt hatte, sollte der Aufstieg jetzt ja kein Problem mehr sein. Der Abstieg fühlte sich wesentlich schneller an als der Aufstieg. Im Hochwald überholte ich das erste Pärchen, die aber den Kleinen Größtenberg nicht bestiegen hatten. In der Schlucht kämpfte sich ein Mountainbiker herauf. Das letzte Stück auf der Forststraße zog sich ein wenig. Um 15 Uhr gelangte ich schließlich zum Parkplatz.


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