Totes Gebirge
Österreich
2020

Hochmölbing


9. 10. 2020

Peter Schrammel

Wetter

wolkenlos, ein paar hochliegende Wolken, Schneewechten entlang der Grate und teilweise eingeweht am Weg

Bewertung

******: Äußerst lange und lohnende Gratüberschreitung im südöstlichen Ausläufer des Toten Gebirges

Wegverlauf

Schönmoos, 1125m - Langpoltenalm, 1450m - Hochmölbinghütte, 1684m - Kleinmölbing, 2160m - Mittermölbing, 2318m - Hochmölbing, 2336m - Kreuzspitze, 2327m - Kaminspitz, 2322m - Schrocken, 2281m - Elmscharte, 2203m - Brunnalm, 1783m - Fiedelbrunn, 1725m - Langpoltenalm - Schönmoos

Höhenmeter

1707m

Weglänge

25km

Zeitaufwand

8h (1 + 3/4 + 1 + 3/4 + 1/6 + 1/4 + 1/4 + 1/3 + 1/6 + 1 1/4 + 3/4 + 2/3 + 2/3)

Kondition

H: sehr, sehr, sehr lang

Schwierigkeit

I-: bis zum Mittermölbing 0; zur Kreuzspitze zwei Stufen 0+; zum Kaminspitz Gratköpfe I-; Abstieg 0, Abstieg vom Hochtor steil und felsig

Gefährlichkeit

5: steile Wald- und Wiesenabhänge bis zum Kleinmölbing 2; Grat zum Mittermölbing: Steilabfall nach Osten, steiler Schotterhang nach Westen 4; Grat über Hochmölbing zum Kaminspitz 5; zum Schrocken 4; Abstieg: kleinere Abhänge in Wegnähe 2-3

Besucheraufkommen

c: einige Wanderer unterwegs

Bericht

Ein schöner Tag war angesagt, nur ein paar hochliegende Wolken, die den Sonnenschein ein bisschen dämpfen sollten. Zwei Tage zuvor hatte es wieder geschneit und der Schnee schien nicht geschmolzen zu sein. Deswegen entschied ich mich für den Hochmölbing. So könnte ich auch auf den Hochtausing gehen, falls der Schnee auf den Graten zu problematisch wäre. Ich fuhr gegen 5:30 ab und erreichte Schönmoos um 7:30. Es waren mindestens 15 Autos am Parkplatz, wahrscheinlich Leute, die auf der Hütte übernachtet hatten. Drei Männer überholten mich auf dem Weg zur Langpoltenalm. Der Nebel hing noch im Tal, aus dem die Gesäusebege wie wilde Spitzen herausragten. Die unglaublich steile Felsknolle des Hochtausing dominiert die Alm. Weiter ging es über einen Sattel und um den Raidling herum. Von dort hatte ich einen schönen Blick zum Grimming, Dachstein und Hechlstein, auf dem ich fünf Tage zuvor war. Die Gipfel waren jetzt spürbar mehr angezuckert. Um 9:30 erreichte ich die Hochmölbinghütte auf einer Alm. Der Hüttenwirt saß auf Terrasse und genoss die Sonne, nachdem die Gäste schon alle aufgebrochen waren. Vom Plateau oberhalb der Hütte wurden Schneestreifen auf der Westflanke des Kleinmölbing sichtbar; die Südflanke war aber so gut wie schneefrei. Ich überholte drei Damen, die auf der Hütte übernachtet hatten, und marschierte zügig zum Gipfelkreuz des Kleinmölbing. Die drei Männer spurten gerade durch die Gipfelwechte; zwei weitere rasteten. Ich aß den ersten Teil meiner Jause und ergötzte mich an der Fernsicht von Priel bis Tauern. Der weitere Weg führt stets in der Westflanke etwas unterhalb des Grates der senkrecht nach Osten abfällt. Eine Schneewechte säumte den Grat und teilweise war auch Schnee auf den Weg geweht. So musste ich meistens mit einem Fuß im Schnee stapfen. Nach dem Abstieg in die tiefste Scharte stieg ich wieder zügig hinauf zum Mittermölbling. Der Blick in das weite Kar zwischen den Mölbinggraten war beeindruckend. Die drei Männer hatten inzwischen den Gipfel erreicht, ein Pärchen war über den Südostgrat hinzugestoßen. Der Grat zum Hochmölbing ist etwas ausgesetzter, mit schwindelerregenden Tiefblicke in das Totental an der Ostflanke. Kurz nach 11:30 war ich am Gipfel und jausnete, während wir mit den dreien fröhliches Gipfelraten veranstalteten. Die Fernsicht war hervorragend: die gesamte Tauernkette bis zum Großglockner, Watzmann, Ötscher und Gesäuse. Die Felskolosse Priel, Spitzmauer und Warscheneck beeindruckten aus der Nähe. Nachdem alle anderen wieder über den Aufstiegsweg abgestiegen waren, ging um 12:20 weiter zur Kreuzspitze. Nun musste ich selbst durch den Schnee spuren, der immer wieder in den Weg geweht war. Der Schnee war weich genug um ordentliche Tritte zu setzen und hart genug, um nicht abzurutschen. Über die Gratköpfe zum Kaminspitz musste ich kurz die Stöcke wegpacken, um die Hände zu Hilfe nehmen zu können. Ein Mann, der anscheinend über den Schrockengrat aufgestiegen war, kam mir entgegen. Dieser wich in die ausgesetzte Südflanke aus. Nach dem Kaminspitz ging es steil hinunter in eine tiefere Scharte und sofort wieder steil hinauf zum Schrocken. Dort traf ich einen Burschen der gerade den weitestgehend schneefreien Schrockengrat hinter sich gebracht hatte. Nach einer kurzen Fotopause stapfte ich weiter zur nahen Elmscharte. Dort musste ich mir an einer geeigneten Stelle erst einen Weg durch die meterhohe Wechte bahnen. Ein steiler Wiesenhang führte dann hinunter auf die endlose Karsthochfläche. Dort traf ich zwei Tschechen, die auf der Hütte übernachtet hatten und über den Gipfel wieder zurück zur Hütte wollten. Sie waren wohl schon ein bisschen spät dran gegen halb zwei Uhr. Die äußerst lange Überquerung der Karsthochfläche war schneller als ich dachte, da der Weg gut angelegt war mit nicht allzuviel Auf- und Ab. Es gab nur einen größeren Gegenanstieg durch die dolinen-gewellte Großwiese. Das Grün der Brunnalm, wo man auf den Weg des Südostgrates stößt, war daher überraschend. Weiter ging es durch lichten, felsdurchsetzen Lärchenwald Richtung Liezener Hütte. Diese war unbewirtschaftet und lag auf der gegenüberliegenden Seite eines Grabens. Deswegen nahm ich den direkten Weg hinunter zum Fiedelbrunn. Dort füllte ich meine Wasserflasche, da ich schon etwas dehydriert gewesen war. Das frische, kühle Nass brachte mein Kopfweh wieder zum Verschwinden. Es war nun schon nach 15 Uhr. Der Steig hinunter über das Hochtor in den Graben des Langpoltenbachs war äußerst mühsam. Der direkte Blick zum Hochtausing entschädigte allerdings für die Mühen. Ein kurzer, rutschiger Gegenanstieg brachte mich zurück zur Langpoltenalm, wo sich die Runde schloss. Der weitere Abstieg erfolgte über den Aufstiegsweg. Im unteren Teil erwischte ich einen weiter westlich führenden, unmarkierten Parallelweg, welcher deutlich weniger rutschig war. Um Punkt 17 Uhr erreichte ich den Parkplatz. Beim Heimfahren machte ich noch einen Zwischenstopp in Weyer zur Würsteljause und einer aufputschenden Tasse Kaffee. Um 20 Uhr war ich wieder in Amstetten.


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