Ennstaler Alpen
Österreich
2019

Natterriegel und Hexenturm


1. 10. 2019

Peter Schrammel

Wetter

wolkenlos, Frühnebel, kräftiger Südwestwind auf den Gipfeln

Bewertung

*****: Anspruchsvolle Gratüberschreitung auf den dritthöchsten Gipfel der Haller Mauern

Wegverlauf

Buchauer Sattel, 861m - Grabneralm, 1391m - Admonter Haus, 1723m - Mittagskogel, 2041m - Natterriegel, 2065m - Hexenturm, 2172m - Natterriegel - Admonter Haus - Grabnernalm - Buchauer Sattel

Höhenmeter

1812m

Weglänge

18km

Zeitaufwand

6 1/2h (1 + 3/4 + 3/4 + 1/12 + 1 1/6 + 1 + 1/2 + 1/2 + 3/4)

Kondition

H: Die Gegenanstiege sind nicht zu unterschätzen.

Schwierigkeit

B-C, I: vom Admonter Haus zum Mittagskogel zwei schottrige Felsstufen A/0+, Abstieg zum Klettersteig 0+; Klettersteig: anfängliche Querung (Drahtseil ausgerissen) 0+, dann A/I- auf den ersten Gratturm, Abstieg von diesem senkrecht B/II, Querung and Abstieg zum Wandbuch A-B/I, dann kurzer, leicht überhängender Steilaufschwung (zwei Bügel) B-C, Stufen und plattige Schlucht A-B/I+, Querung um den zweiten Gratturm B, kurz, leicht überhängend mit wenig Griffen B-C, Abstieg vom zweiten Gratturm I-, dann über kleinere Grattürme I; Normalweg zum Gipfel: häufig A/I-; Normalweg zurück zum Natterriegel: rutschig A/I-

Gefährlichkeit

5: Steilabfall neben der Forststraße kurz vor der Grabneralm 2; zum Mittagskessel Querungen auf beiden Seiten des Gratrückens (tw. Drahtseil) 3-4; Abstieg zum Klettersteig 4, Klettersteig durchwegs 4-5, zweiter Gratturm 5, Weiterweg zum Gipfel 5, Normalweg zurück zum Natterriegel 4-5

Besucheraufkommen

c: Ganz schön viel los für einen Wochentag. Keine Menschenseele im Aufstieg bis zum Mittagskogel.

Bemerkungen

Der markierte Weg auf die Grabneralm ist der schnellste; die Abschneider bringen wenig. Von der Grabneralm aufs Admonter Haus gibt es auch einen Weg über ein Felsband der Admonter Warte (Goaßsteig). Der Natterriegel kann auf dem Weg zum Hexenturm südseitig umgangen werden; die Abzweigung 25m oberhalb der Klettersteigabzweigung ist im Abstieg einfach zu finden; der Steig ist (angeblich) anspruchsvoll.

Bericht

Meine diesjährige Herbstwanderwoche war wegen Regenwetters etwas reduziert. Aber zumindest gab es einen Tag mit Kaiserwetter, den ich nützte, um den Hexenturm zu besteigen. Ich fuhr gegen 6 Uhr weg und erreichte den leeren Parkplatz am Buchauer Sattel kurz nach 7 Uhr. Der Himmel war bedeckt, als ich mich auf den Weg in Richtung Grabner Alm machte. Die Abschneider im Wald waren noch ziemlich gatschig und es war gespenstisch still. Erst auf 1150m konnte ich plötzlich ein bisschen Blau durch den Nebel durchschimmern sehen. Auf der langen Querung Richtung Almhütte hatte sich schließlich die Sonne durchgesetzt. Der Admonter Reichenstein zeichnete sich vor stahlblauem Himmel ab. Im Tal hingen noch ein paar Nebelfetzen. Vereinzelt glühten Bäume in herbstlichem Gelborange. Auf dem weiteren Weg Richtung Admonter Haus tauchten nun allmählich die Gipfel der Niederen Tauern auf. Nach 9 Uhr passierte ich das Admonter Haus, ohne eine Menschenseele gesehen zu haben. Da noch ein langer Weg vor mir lag, ging ich zügig weiter. Ich merkte, dass ich heuer noch keine Bergtour gegangen bin. Die abschüssigen Wiesenquerungen entlang des Grates fühlten sich etwas ungewohnt an. Ich erhöhte daher meine Aufmerksamkeit. Nachdem der Weg auf die andere Seite des Gratrückens wechselt, wurde die Sicht auf hellgrauen, gerippten Felsen des Hexenturms frei. Ein Wanderer war schon weiter oben auf den Serpentinen kurz vor dem Natterriegel. Kurz nach 10 Uhr erreichte ich das Gipfelkreuz des Natterriegel am Südostpfeiler eines kleinen Karstplateaus. Im Gegenlicht wirkten Buchstein und Hochtor grimmiger als der Grimming, der vor Dachstein und der Kette der Hohen Tauern im vollen Sonnenschein strahlte. Ich zog mir den Pullover an, da es hier noch ganz schön frisch war. In der Zwischenzeit hatte mich ein Wanderer eingeholt. Ich ging weiter Richtung Mittagskogel am westlichen Ende des Plateaus. Von dort führt der Weg steil und schottrig hinunter ins Rosskar. An der Abzweigung zum Klettersteig legte ich den Sitzgurt an. Dieser beginnt mit einer unangenehmen, ausgesetzten Querung, an der das Drahtseil ausgerissen ist. Nach dieser geht es einfach hinauf auf den ersten Gratkopf. Von diesem 15m über eine senkrechte Wand hinunter zur Rosskarscharte. Der zweite Teil des versicherten Steiges führt in einer Querung in die Südwand des nächsten großen Gratkopfes. Dort muss man in eine Schlucht absteigen und dann über einen Felswulst mit ein bisschen Kraftaufwand auf der anderen Seite hinauf auf eine gestufte Rampe. Am oberen Ende dieser Rampe geht es dann durch einen kurzen Steilaufschwung und eine luftige Querung zurück auf den Grat. Nach einfachen Kraxeleien runter und wieder rauf, erreicht man dann wieder den Normalweg. Während ich das Klettersteigset verstaute, überholte mich eine Gruppe. Über ein paar einfache Stufen ging es dann den Gipfelaufbau des Hexenturm hinauf. Allerdings ist Vorsicht geboten, da der Weg stets oberhalb eines senkrechten Felsabbruchs führt. Um dreiviertel Zwölf stand ich auf dem Gipfel. Ich zog mir die Jacke an, da der Wind ganz schön blies. Die Fernsicht war phänomenal von Großglockner bis Schneeberg, im Norden bis ins Mühlviertel. Ich suchte mir einen geschützten Platz zwischen den Felsblöcken für die Jause. Trotzdem hielt es mich nicht lange, da nun Scharen an Wanderern heraufpilgerten. Nach 12 Uhr 30 war ich wieder bei der Klettersteigabzweigung und stieg nun über den Normalweg ins Rosskar ab. Eine Passage ist dem Steinschlag durch nachkommende Wanderer ziemlich ausgesetzt. Auf der anderen Seite des Rosskars führt der Weg seilversichert über eine feuchte, rippige Felswand hinauf zur Abzweigung. Ich überlegte mir, ob ich den direkten Weg durch die Südabhänge des Mittagskogel nehmen sollte, entschied mich dann aber für den Weg über den Gipfel des Mittagskogel. Im Abstieg sah ich, dass ein nachkommendes Ehepaar den Abschneider nahm. Dieser sollte kein großes Problem darstellen. Kurz nach 14 Uhr machte ich ein kleines Mittagsschläfchen oberhalb des Admonter Hauses. Nach hatte ich mehr als 1000 Höhenmeter Abstieg vor mir. Daher nahm ich von weiteren Varianten und Abstechern, etwa über den Steig durch die Südwestflanke der Admonter Warte, Abstand und ging denselben Weg zurück ins Tal. Mein Knie begann tatsächlich mehr und mehr zu schmerzen, wodurch ich nicht mehr so schnell vorankam. Im Abstieg fühlt sich der Weg immer noch endloser an. Um 16 Uhr war ich wieder beim Auto.


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