Berchtesgadener Alpen
Österreich
2017

Mitterhorn und Persailhorn


18. 10. 2017 - 20. 10. 2017

Peter Schrammel

Wetter

wolkenlos

Bewertung

******: anspruchsvolle Wege über Grate und Wände des eindrucksvollen Steinernen Meers

Wegverlauf

1. Tag: Saalfelden, Obsmarkt, 885m - Peter Wiechenthaler Hütte, 1707m;
2. Tag: Peter Wiechenthaler Hütte - Weißbachlscharte, 2261m - Ahlhorn, 2467m - Mitterhorn, 2491m - Scharte - Mitterhorn - Weißbachlscharte - Schartenkopf, 2308m - Kruzifix - Schartenkopf - Weißbachlscharte - Peter Wiechenthaler Hütte;
3. Tag: Peter Wiechenthaler Hütte - Persailhorn, 2347m - Peter Wiechenthaler Hütte - Steinalm, 1268m - Einsiedelei, 1001m - Obsmarkt

Unterküfte

Peter Wiechenthaler Hütte, 1707m

Höhenmeter

3182m
1. Tag: +920/-102;
2. Tag: +1442/-1442;
3. Tag: +860/-1678

Weglänge

31km (1. Tag: 7; 2. Tag: 14; 3. Tag: 10)

Zeitaufwand

14 1/4h
1. Tag: 2h;
2. Tag: 6 3/4h (1 1/3 + 1 1/3 + 2/3 + 1/12 + 1/6 + 2/3 + 1 + 1/4 + 1/6 + 1/6 + 1/6 + 3/4);
3. Tag: 5 1/2h (1 3/4 + 1 1/2 + 1 1/2 + 1/2 + 1/4)

Kondition

CFE

Schwierigkeit

C/II-, I: Aufstieg zur Hütte: 0; Weißbachlscharte: üppig mit Drahtseilen ausgestattet A/0+; Grat zum Ahlhorn: Umgehung der Gendarmen auf der Südseite: 0+ bis I-, steiler 20m Kamin mit Drahtseil B, grobplattiger Grataufstieg zu Stufenpyramide I-, dann Schrofen bis Ahlhorn 0+ bis I-; Grat zum Mitterhorn: zuerst Karstplateauüberschreitung 0, dann schmäler werdender Grat, einige Stufen I, zuletzt hohe Stufe über Felszacke mit Drahtseil B-C/I+, dann südseitiger Querungsabstieg B-C/II-, zuletzt über mäßig steilem Felsgrat zunächst I (Kunststoffseil), dann I- zum Gipfel; Abstieg in die Scharte Richtung Breithorn schottrig, eine Stufe I; Schartenkopf 0, Kruzifix weglos I; Wildental-Klettersteig: B-C; Südwand-Klettersteig B-C; Grat zum Gipfel Einstieg C, danach A-B/I-; Abstieg zur Steinalm: zahlreiche Leitern, Trittklammern und -stifte, Holz- und Leiterbrücken und mit Drahtseilen versicherte Querungen von Steilrinnen A-B/0+; Abstieg zur Einsiedelei 0

Gefährlichkeit

7: Aufstieg zur Hütte 2; zur Weißbachlscharte 3-4, zwei kurze Stellen 5; Grat zum Ahlhorn: durchwegs 4-5, manche Stellen 6 (Abfälle nach Nordosten!); Grat zum Mitterhorn: Kletterstellen 6-7, letzter Grat 5-6; Abstieg zur Scharte zum Breithorn 6; Schartenkopf 3-4; zum Kruzifix 5; Wildental-Klettersteig: Wastl-Promenade 7, danach 5-6; Grat zum Gipfel 5, kurze Stellen 6; Südwand-Klettersteig: durchwegs 6; Abstieg zur Steinalm: unerwarteter von Latschen verdeckter Steilabfall (Kunststoffseil) 6, danach durchwegs 3-4, manche kurze Stellen 5; Abstieg zur Einsiedelei: breiter Weg 4

Besucheraufkommen

cbd

Bemerkungen

Übernachtung im Lager EUR 12.-

Bericht

1. Tag: Ein paar herrliche Herbsttage waren voraussgesagt. So beschloss ich eine Mehrtagestour im Steinernen Meer zu machen. Allerdings waren die meisten Hütten schon zu. Der Plan war also, zuerst auf die Peter-Wiechenthaler-Hütte aufzustiegen und am nächsten Tag über das Persailhorn und Breithorn zum Riemannhaus zu gehen. Dieses war zwar schon zu, aber der Winterraum sollte offen sein. Am dritten Tag wollte ich dann auf die Schönfeldspitze und wieder hinunter ins Tal. Ich parkte in Obsmarkt und marschierte gegen 17 Uhr bei Kaiserwetter weg. Die weißgrauen Gemäuer des Persail- und Breithorns erstrahlten hell oberhalb des herbstlich verfärbten Walds. Mit Blick zu dem im Wald versteckten Schloss Lichtenberg und der Einsiedelei marschierte ich flott zur Clessinsperre und von dort in breiten Serpentinen bergwärts. Zeitweise erhaschte ich Blick zum schneebedeckten Kitzsteinhorn und dem schon orange beleuchteten Persailhorn. Das Rot wurde intensiver und dunkler, also ob der Fels verglühen würde. Einige Bankerl und Marterl luden zum Verweilen ein. Ich hatte aber keine Zeit, mich aufzuhalten, da die Sonne im Eiltempo hinter den Leoganger Steinbergen verschwand und die Landschaft rabenschwarz wurde. Die Lichter von Saalfelden füllten den weiten Talkessel. Bald musste ich die Stirnlampe auspacken, um die Markierungen noch zu erkennen. Wenig später erreichte ich die Hütte um 19 Uhr. Die freundliche Hüttenwirtin und ihr nepalesischer Helfer luden mich in die Gaststube, die noch ziemlich gefüllt war. Bei einem Tisch mit drei bayrischen Bergsteigern war noch Platz. Während ich auf das Abendessen wartete, machten sich einige Gäste, die offenbar zum geselligen Biertrinken auf der Hütte waren auf dem Weg ins Tal. Am Ende waren nur mehr ein paar Hüttengäste übrig, die in den Zimmern übernachteten. Ich war der einzige im Lager, was mir eine sehr ruhige Nacht bescherte.

2. Tag: Um 7 Uhr hatte ich Frühstück. Die Schneelage auf der Nordseite des Persailhorngrates war bedenklich. Die Hüttenwirtin sagte, dass da schon Leute raufgegangen sind. Mir schaute das zu riskant aus. Daher beschloss ich übers Ahlhorn aufs Mitterhorn zu gehen. Da ich mir nicht sicher war, ob ich zum Riemannhaus kommen würde, sagte ich der Hüttenwirtin, dass ich ihr per SMS Bescheid geben werde, ob ich Richtung Riemannhaus weitergehen oder wieder zurückkommen würde. Um 7 Uhr 45 brach ich auf. Das Birnhorn erstrahlte in herrlichem Rot. Der Zeller See war noch unter einer Nebeldecke verborgen. Der Steig querte zuerst abgsteigend unter den gewaltigen Felsen des Persailhorns Richtung Weißbachlalm, steigt aber dann unterhalb des genauso beeindruckenden Ahlhorns Richtung Weißbachlscharte. Bevor ich die Aufstiegsrinne erreichte, bemerkte ich zwei Jäger vor mir, die Gämsen im gegenüberliegenden Steilhang des Schartenkopfs beobachteten. Ich setzte meinen Weg ruhigen Schrittes fort und beobachtete die Gämsen auch, die langsam über die Schrofen Richtung Weißbachlalm herunterzogen. Die Jäger wanderten langsam im Schutz eines Wiesenrücken in ebengleiche Richtung. Der Weg zur Scharte war steil und ich kam gut voran. Um 10 Uhr erreichte ich die Scharte. Die dunklen Schatten des Ahlhorns füllten das Kar. Jetzt bekam ich erste das wahre Ausmaß der Schneelage zu Gesicht. Der Unterschied zwischen Süd- und Nordexposition war wie Tag und Nacht. Ich hatte Zweifel, ob der Grat zum Ahlhorn überhaupt ohne Steigeisen und Pickel gangbar wäre. Ich bereitete mich geistig auf ein jederzeitiges Umkehren vor und ging den Grat an. Im Schatten lag noch Schnee, der ziemlich hart war, Gott sei Dank aber nicht an kritischen Stellen. Die Blicke über die weiten Wellen des schneebetupften Steinernen Meers und den Gipfeln des Großen Hundstods und Watzmanns waren beeindruckend. Der Schattenbereich bis hinüber zum Riemannhaus war so voller Schnee, dass der Weg dorthin völlig ausgeschlossen schien. Vorerst hielten sich die Schneefelder am direkten Grat aber in Grenzen. Einige Kletterstellen, manchmal seilversichert, versüßten die einsame Wanderung. Ein stufenpyramidenförmiger Gratkopf schien vom Gegenhang aus unüberwindbar, war aber dann halb so wild. Um 11 Uhr 15 stand ich beim winzigen Gipfelkreuz des Ahlhorns, das obwohl es etwas niedriger als sein größerer Bruder, Mitterhorn, ist, eine unglaubliche Aussicht bietet. Besonders der Blick auf die schneegefüllte Nordflanke des Grates zum Persailhorn bestärkte mich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte, übers Ahlhorn zu gehen. Die Kette der Hohen Tauern strahlte in majestätischem Weiß hinter dem weiten Grün der Saalfeldner Ebene. Bis zum Mitterhorn waren noch einige Gratköpfe zu überwinden. Daher hielt ich mich nicht lange auf und ging weiter. Nach einer kleinen Abplattung des Grates kamen noch schwierige, seilversicherte Kletterstellen, bevor es in einfacherer Kraxelei hinauf zum Gipfelkreuz ging. Da bemerkte ich plötzlich einen Bergsteiger hinter mir der mich bald daruf überholte. Um 12 Uhr traf ich ihn wieder beim Gipfelkreuzund er fragte mich, wie der Weg hinunter zum Persailhorn wäre. Voll Schnee offensichtlich. Er ließ sich davon aber nicht abhalten und stieg dorthin ab. Mich hingegen interessierte der Weiterweg zum Breithorn. Der Abstieg vom Breithorn zum Riemannhaus wäre durchwegs im Schnee, schaute aber vom Ahlhorn nicht weiter gefährlich aus; der Grat hinüber zum Breithorn war mir aber ein Rätsel. Dieser hat scheinbar unüberwindbare Gratköpfe und fällt auf beiden Seiten hunderte Meter senkrecht ab. Nach der Gipfeljause stieg ich daher in die erste Scharte ab, was nicht allzu schwierig war. Dann führte der Weg aber über einen extrem ausgesetzen schneebedeckten Gratkopf. Eine alte Spur war im Schnee zu erkennen. Mir war der Schnee aber zu rutschig und daher machte ich kehrt. So konnte ich das Rätsel über den weiteren Wegverlauf noch nicht lösen. Zurück am Gipfel gab ich der Hüttenwirtin Bescheid und machte mich auf den Rückweg. An einer Stelle gab es einen Fluchtweg vom Grat zur Hochfläche. Ich überlegte, ob ich zur Abwechslung über die Hochfläche zurückgehen sollte, bekam aber wieder Zweifel wegen der Schneelage, die Dolinen verdecken könnten. Beim Prüfen des Seiles, das über eine brüchige Steilstufe helfen sollte, verwarf ich den Plan aber. Das Seil war nicht vertrauenswürdig genug. Die Kletterstellen waren jetzt weniger aufregend, da ich ja schon wusste, was mich erwartete. So genoß ich die überwältigende Berglandschaft aus der umgekehrten Perspektive noch einmal. Gegen 15 Uhr war ich wieder auf der Scharte. Da ich noch Zeit hatte stieg ich die paar Meter auf den Schartenkopf, von wo der Großteil des Grates zu sehen ist - ein unglaublicher Aussichtsbalkon. Einige Meter westlich des Schartenkopfs erspähte ich ein kleines Kruzifix. Dort wollte ich noch hin, um ein Nickerchen in der Sonne zu machen. Um 16 Uhr 30 war ich wieder am Schartenspitz und begann mit dem Abstieg. Die Sonne ging wahnsinnig schnell unter. Schon bald war alles in orange getaucht. Die schwalbenschwanzförmigen Felstürme des Persailhorns waren nun sehr plastisch zu sehen. Das Alpenglühen war genauso spektaktulär wie am Vortag. Als ich kurz nach 18 Uhr bei der Hütte ankam, war diese bereits völlig im Schatten. Ich war der einzige Gast auf der Hütte. Ich musste daher auf meine Megaportion Käsespätzle nicht lange warten. Die Hüttenwirtin schlug mir vor, ich könnte auch im Zimmer schlafen. Ich hatte mich ans Lager aber schon gewöhnt.

3. Tag: Um 8 Uhr gab es Frühstück. Da die Gaststube gerade gereinigt wurde, konnte ich mit der Hüttenwirtin in der Küche frühstücken. Nach einigem gemütlichen Geplauder packte ich meine Sachen und machte mich um 9 Uhr 15 auf dem Weg zum Persailhorn. Es gab dort zwei Klettersteig, beide mit B-C bewertet. Ich hatte keine Klettersteigausrüstung mit, aber das würde schon gehen. Für den Aufstieg wählte ich den gefühlsmäßig schwierigeren Wildentalsteig aus. Dieser erforderte von Beginn an einiges an Konzentration. Die Schlüsselstelle war der Ausstieg aus der äußerst luftigen Querung, der neben seiner unglaublichen Ausgesetztheit auch noch etwas Kraft erfordert. Nach schöner Plattenkletterei gelangte ich auf einem kurzen Grat in flacheres Gelände. An ein paar Stellen musste ich vom eigentlich Weg abweichen, da dieser vereist war, was im einfacheren Gelände aber kein Problem war. Am Fuß des Gipfelgrat trifft man auf den wegen enormer Steinschlaggefahr gesperrten Normalweg und den Südwandklettersteig. Nach einer nicht ganz einfachen Steilstufe ist der restliche Weg zum Gipfel dann problemlos, jedoch schon auch ziemlich ausgesetzt. Kurz nach 11 Uhr erreichte ich die hölzerne Madonna am Gipfel. Aus dieser Perspektive war der Weg zum Mitterhorn gar nicht so schlimm. Er führte aber schon durchwegs durch die vereiste Nordflanke. Von hier aus konnte ich auch den Verbindungsgrat zwischen Mitter- und Breithorn gut einsehen. Ich machte detaillierte Fotos mit dem Zoomobjektiv, die den Wegverlauf eindeutig zeigten - Rätsel gelöst: nach dem schneebedeckten Gratkopf geht es per Drahtseil in die nächste Scharte und dann auf schneefreien Bändern am mächtigen Gratkopf vorbei. Gut, fürs nächste Mal dann. Während der Gipfeljause plauderte ich mit einem bayrischen Pärchen, das mir empfahl bei der Heimfahrt noch auf den Stauffen zu gehen. Um 12 Uhr stieg ich über den Südwandklettersteig ab, der auch tatsächlich spürbar einfacher war - trotzdem aber durchgehend ziemlich ausgesetzt. Ein Klettersteigset ist bei beiden Klettersteigen kein unnützes Ausrüstungsstück. Ich musste im Abstieg einigen Klettersteiggehern ausweichen. Der Querung unter den Überhängen war sehr fotogen. Die Peter-Wiechenthaler-Hütte steht wunderschön auf der vorgelagerten Latschenschulter hoch über dem Saalachtal aus dieser Perspektive. Vor der Abzweigung zur Steinalm traf ich eine Osteuropäerin mit einem großen Hund, die mich fragte, wie sie von hier zum Riemannhaus käme. Dabei zeigte sie mir Google Maps. Ich sagte ihr, dass dies nicht zu empfehlen wäre, weil überall Schnee liegt und sie mit dem Hund wohl kaum die steilen Leitern überwinden werden könnte. Sie war etwas enttäuscht. Ich empfahl ihr, über die Steinalm abzusteigen. Was ich allerdings nicht wusste, dass es auch auf diesem Weg Leitern geben würde. Diese konnte der Hund dort aber hoffentlich selbständig umgehen. Überhaupt war der Abstieg zur Steinalm vergleichsweise anspruchsvoll und landschaftlich wild, sodass ich diese erst gegen 15 Uhr erreichte. Ich genoss dort noch einmal kurz die Sonne, bevor ich über die Einsiedelei abstieg. Kurz nach 16 Uhr erreichte ich das Auto und machte mich auf den Heimweg. Den Stauffen hob ich mir für ein anderes Mal auf.


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