Ennstaler Alpen
Österreich
2008

Tieflimauer


27. 6. 2008

Peter Schrammel

Wetter

wechselnd bewölkt

Bewertung

*****: "Kleiner" Berg - große Tour!

Wegverlauf

Mühlbach, 771m - Tieflimauer, 1820m - (Ennstaler Hütte, 1544m) - Mühlbach Parkplatz, 645m

Höhenmeter

+1392/-1518m

Weglänge

15km

Zeitaufwand

5 3/4h (3 1/2 + 2 1/4)

Kondition

G: zieht sich

Schwierigkeit

D, I: plattige Querung durch Nordostflanke des Kl. Buchstein 0+, Abstieg in Kar I, Rinne auf Grat tw. I-, Grat Stellen 0+ bis I-; Klettersteig erster Pfeiler B/I+, 2. Pfeiler C/III-, Platte, Rinnenquerung feucht, plattige Querung schräg aufwärts; Schlüsselstellen Kamin 1. Stufe C-D/III+, 2. Stufe feucht D/IV, 3. Stufe D/IV+, Gehgelände, Ausstieg A, 0+; Gipfel A/0+; Normalweg A, I-

Gefährlichkeit

6: Aufstieg bis Klettersteig-Einstieg Querungen und Grat 4-5; Klettersteig durchwegs 5, Stellen 6; Normalweg 6; Abstieg Stellen 3

Besucheraufkommen

b

Bericht

Gegen 5 Uhr startete ich von Amstetten und fuhr ins Ennstal. Kaum nach Oberland begann es zu nieseln, später konnte man fast schon von Regen sprechen - also nicht ganz das Wetter, das ich mir erwartet hatte. Von St. Gallen kommend kurz hinter dem Erbsattel fuhr ich rechts in den Mühlaugraben hinein und parkte dort das Auto vor dem Fahrverbotsschild - alles staubtrocken und die Wolken wurdeen auch lichter. Ich war kaum 100m gegangen, da kam ein Auto von hinten, und einer der sich offensichtlich auskannte, bot mir an, mich bis hinauf nach Mühlbach mitzunehmen, wo sich Auf- und Abstiegsweg gabeln. Gegen halb 7 marschierte ich ab und versäumte gleich einmal den "Einstieg" - verschleuderte also 50 Höhenmeter umsonst. Zuerst führt der Weg oberhalb des Baches, quert dann eine Forststraße und begleitet diese dann ziemlich feucht, zuletzt wieder zu dieser leicht absteigend - da könnte man besser gleich auf der Forststraße bleiben und erst dann eine Serpentine abschneidend wieder den Weg weiterverfolgen. Nach der Bachquerung folgte ein schöner Waldweg, auf dem mich mein freundlicher Wanderkollege aus Wolfsbach das erste Mal überholte. Der Wald wird lichter und schließlich geht es zwischen den Latschen hinauf - meinen Bergkamerad konnte ich nur noch als roten Punkt auf der Schulter hinauf zum Kl. Buchstein wahrnehmen. Einige Gämsen auf dem Gegenhang "stoanderlten" lautschallend und zogen, als sie mich auf der Querung unter der Nordostflanke des Kl. Buchstein witterten, Richtung Süden weiter. Ich suchte gerade auf den Restschneefeldern nach Halt, als ich einen Gams direkt oberhalb von mir in der Felswand bemerkte - ein Rätsel, wie der da hinaufgekommen war! Nach einer lästigen, plattigen Querung wurde der Durchstieg durch die Gratmauer zwischen Kl. Buchstein und Tieflimauer sichtbar. Zunächst musste ich aber noch eine Kletterstelle im Abstieg in ein Kar überwinden. Da ich gerade noch die Gämsen den steilen Durchstieg hinauffliehen sah, dass die Steine nur so spritzten, setzte ich gleich einmal den Helm auf. Nach problemloser Kraxelei ging es auf dem Gratrücken ohne große Schwierigkeiten auf und ab zur Tieflimauer - zuletzt mit etwa 100 Höhenmeter Abstieg unterhalb der Südabfälle der Tieflimauer vorbei. Nach kurzem Anstieg erreichte ich die Abzweigung zum Klettersteig, wo ein Gams keine 10m an mir vorbeischlich, ohne Witterung aufzunehmen. Ich war bereits fast drei Stunden unterwegs, als ich mir das Klettersteigset anlegte. Zunächst führt der Steig auf einem pfeilerartigen Felsrücken in der Mitte des Kares hinauf, dann nach einem Plateau an einem zweiten Pfeiler in direkter Wand hinauf und nach einer Plattenquerung nach Westen in eine Schlucht. Am Grund dieser geht es kurz steil hinauf, dann über Platten in offener Wand zu einem schluchtartigen Kamin, in dem der weitere Aufstieg, teilweise ein wenig feucht, aber in schöner, herausfordernder Kletterei erfolgt - vorausgesetzt natürlich, man verzichtet auf das Drahtseil als "Aufzug" - außer zwei kleinen Bügeln sind auf dem ganzem Klettersteig keine zusätzlichen Steighilfen montiert! Vorbildhaft! Bis ich im Gehgelände die Kreuzung mit dem Normalweg erreicht hatte, hatte mich mein Bergfreund auch schon wieder eingeholt - er war inzwischen auf dem Kl. Buchstein gewesen und würde dann noch den Tamischbachturm "mitnehmen", ließ er mich wissen. Nach einer kurzen absteigenden Querung auf der Nordseite des Grates und darauffolgendem Latschenstück gelangte ich um 10:15 zum Gipfelkreuz. Während ich rastete, zogen die Wolken einmal hin, einmal her - nur nach Süden zu Planspitze, Reichenstein und Buchstein im Westen gab es durchwegs freie Sicht. Im Norden hingegen staute sich eine Wolkenwand. Den Abstieg auf dem Normalweg nahm ich um 11 Uhr in Angriff: kurzer Gegenanstieg auf den Ostgipfel, dann ein sehr schmaler Grat und schließlich der Latschenabstieg. In einer langen Querung südlich der Luckaten Mauer und im Auf und Ab zum Landlereck kurz vor der Ennstaler Hütte, die ich mir aber ersparte, stieg ich zum Bärensattel ab. Es folgte noch ein mühsamer elendslanger Hatscher auf der Schotterstraße bis zum Auto hinunter, von wo ich um 13:30 die Heimfahrt mit Flüssigkeitstankstopp in St. Gallen antrat.


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