Totes Gebirge
Österreich
2007

Warscheneck


1. 11. 2007

Peter Schrammel

Wetter

wolkenlos bis bedeckt

Bewertung

****: länglicher Anstieg in imposanter Landschaft

Wegverlauf

Vorderstoder-Straße, 758m, Zeller-Hütte, 1575m, Warscheneck, 2388m, Zeller-Hütte, Vorderstoder-Straße

Höhenmeter

1714m

Weglänge

20km

Zeitaufwand

7h (2 + 3 + 3/4 + 1 1/4)

Kondition

G: extreme Berg-/Schitour-Kombination

Schwierigkeit

0: keine Schwierigkeiten, größte Steigung unmittelbar nach Zellerhütte ca. 28°, dann stets unter 25°

Gefährlichkeit

3: Steilabfall in Wegnähe zur Zellerhütte, kleinere Felsabbrüche in Dolinennähe

Besucheraufkommen

a: keine Menschenseele von Anfang bis Ende

Bericht

Spätherbstliches, glaskares Kaiserwetter stand auf dem Programm. Am Allerseelentag waren die Berge schon deutlich angezuckert, das heißt Schnee etwa ab 1500m, so wagte ich zur Einstimmung auf die Wintersaison ein Experiment: Ich packte Berg- und Schitourenausrüstung und wollte schauen, wie weit ich kommen würde. Ich brach - viel zu spät um 8:20 - bei annähernd wolkenlosem Himmel auf - nur einzelne hochziehende Wolkenfelder strichen über mich hinweg. Ich startete zwischen Vorderstoder und Rossleithen bei gefühlsmäßig klirrkalten -4°C durch den ersten steilen Wald hinauf. Danach musste ich mein schweres Gepäck noch einmal nachjustieren, damit es richtig fixiert war. Die Beschilderung ist anfangs etwas verwirrend - unvermutet geht es plötzlich querfeldein über eine Weide. Der Berg ist noch weit, weit weg und der Weg zieht sich lang in einem Bachbett dahin, bis es endlich einmal etwas stärker zu steigen beginnt - die Rückenlast machte sich auch schon bemerkbar. Nach der Zellerhütte-Materialseilbahn-Talstation wurde es im Windwurf sehr gatschig, bevor der Weg entlang eines Steilabfalls zügig aufwärts führt. Zuletzt ging es dann in weiten Serpentinen - teilweise schon etwas eisig - hinauf zur Hütte, die ich um 10:30 erreichte. Mittlerweile war der Himmel schon fast vollständig mit dünnen Wolken bedeckt, es boten sich aber ungetrübt herrliche Ausblicke zu Spitzmauer, Priel und Sengsengebirge. Spuren vom Vortag führten noch weiter, auch eine Schi-Abfahrtsspur und eine Schneeschuhspur waren dabei. Ich ging zuerst noch zu Fuß weiter, wechselte dann aber im von mit Lärchennadeln bedeckten Hochwald die Schuhe, schnallte die Schi an und spurte den Fußstapfen folgend ziemlich mühsam aufwärts. Noch mühsamer wurde es dann durch schmale Latschengassen - einmal musste ich sogar abschnallen, weil die Haftung auf dem buckeligen, stufigen Weg zu gering war. Dann geht es flach weiter über das Hochplateau an einem nach Nordosten abwärtsziehenden Graben südlich vorbei und aufwärts, den Laglkogel westlich umgehend, in eine Ebene. Schließlich führte nur noch eine Fußspur weiter, eine Riesendoline wurde nördöstlich umgangen, um dann in der direkten Linie Richtung Gipfel hinauf auf einen Zwischenhügel endlich Höhenmeter zu gewinnen. Die Sonne brannte herunter, sodass ich nicht mehr wusste, was ich ausziehen sollte. Die Schimarkierungen führen über den westlicheren kupierteren Rücken aufwärts, ich folgte aber den Spuren und musste bei einer weiteren Doline weiter nördlich über den höchsten Punkt des Zwischenhügels ausweichen. Mittlerweile war es 13 Uhr geworden, und ich sollte laut meiner Planung eigentlich schon am Gipfel sein. Ich überlegte, ob ich nicht überhaupt gleich umdrehen sollte, entschied mich aber dann für Weitergehen und setzte mir das Limit auf 14 Uhr. Nach kurzer Abfahrt überschritt ich die "Brücke" zwischen zwei Dolinen zum letzten ca. 250 Höhenmeter gleichmäßig ca. 25° geneigten, mit Felsblöcken durchsetzten Hang. Die noch nicht ganz verfestigten Windverfrachtungen bescherten mir ein kraftraubendes Einsinken. Weiter westlich haltend strebte ich dem Gipfel entgegen, als sich starke Sturmböen über dem Gipfelgrat bemerkbar machten. Als ich dann zwischen den mit einigen Dezimetern Anraum versehenen Felsblöcken mit letzter Kraft das Gipfelkreuz erreichte, waren die Wolken zwar schon orangerot gefärbt, die Fernsicht aber nach wie vor ungetrübt. Der böige Wind machte es aber ziemlich ungemütlich; als dann zudem noch plötzlich eine tieferfliegende Wolke durchzog, kritzelte ich noch schnell was ins Gipfelbuch, bevor gar noch der Nebel einfiele. Ich riss die Felle herunter und trat die Abfahrt an. Kaum unterhalb des Gipfelrückens war es wieder windstill - die Wolke war auch schon wieder verschwunden. Ich machte nun meine zehn Minuten Gipfelrast und -jause, bevor ich mir den schönsten Teil der Abfahrt bis zum Gegenanstieg in einem durch gönnte - alleine deswegen hatten sich die Anstrengungen schon gelohnt. Ich schnallte die Schi ab, lief die 20 Höhenmeter hinauf und setzte die Abfahrt durch den dicken, in der wieder hervorgekommenen Sonne glitzernden Oberflächenreif fort. Bei der Amphitheater-Doline kehrte ich wieder in den Bereich der Aufstiegsspur zurück. Die Passage durch die Latschen war auch bei der Abfahrt äußerst anstrengend, weil es zu eng zum Schwingen war, aber auch kein Auslauf zum Bremsen vorhandn war. Wieder am Rande meiner Kräfte kurvte ich den Hochwald zurück bis vor die Hüttentür. Die Sonne stand um 15:30 schon deutlich tief - jetzt fehlten aber noch über 800 Höhenmeter Schi-Wieder-Hinunterschleppen! Zuerst aber einmal machte ich wieder ein Viertelstündchen Pause - schließlich musste die Ausrüstung wieder ummontiert werden, und die restliche Jause, für die vorher keine Zeit war, wollte ich auch nicht wieder heimtragen. Und dann ging's eigentlich recht schnell hinunter - kurz nach 17 Uhr war ich wieder beim Auto. Die Sonne war bereits verschwunden. Ich war zwar mit den zwei Litern Flüssigkeit während des Tages gut ausgekommen, aber jetzt war der Durst plötzlich gigantisch. Schnell huschte ich noch beim nächsten Geschäft in Pichl vorbei - aber die 1.5 Liter gespritzter Apfelsaft waren, als ich kurz vor 19 Uhr in Amstetten angekommen war, bis auf den letzten Tropfen ausgetrunken.


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