Berchtesgadener Alpen
Österreich
2004

Hoher Göll


30. 7. 2004

Peter Schrammel

Wetter

heiter

Bewertung

*****: klassische Rundtour mit zwei kurzen Klettersteigen auf abwechslungsreichen Gratanstiegen und unendlich fadem Gipfelrücken

Wegverlauf

Ofnerboden, 1250m, Kehlsteinhaus, 1837m, Hoher Göll, 2522m, Purtscheller-Haus, 1692m, Ofnerboden, 1250m

Höhenmeter

1559m

Weglänge

15km

Zeitaufwand

6 1/4h (1 1/2 + 2 1/4 + 1 3/4 + 3/4)

Kondition

G

Schwierigkeit

B-C, I: Mannlgrat (siehe Bericht) abwechselnd Gehgelände, Klettersteig B-C und ungesicherte Kletterstellen bis I; Gipfelgrat eine Stelle B; Schusterroute (siehe Bericht) ca. 100 Höhenmeter durchgehend Klettersteig B, danach bis Purtscheller-Haus Karren und viele Stufen bis I-

Gefährlichkeit

6: viele ziemlich ausgesetzte (allerdings gesicherte) Querungen auf dem Mannlgrat vor allem auf der Südseite, sonst zumeist 5; eine kurze Engstelle auf dem Gipfelgrat 5; Schusterroute 6, weiterer Abstieg zum Purtscheller-Haus einige Stellen 5, sonst durchwegs 4.

Besucheraufkommen

d: vor allem Schusterroute stark frequentiert (zumindest bis zum Einstieg in den Klettersteig)

Bemerkungen

Klettersteig-Set auf dem Mannlgrat auf insgesamt 40 Metern (manche Querungen und zwei Steilaufschwünge) sinnvoll einsetzbar, auf Schusterroute beinahe sinnlos (große Hakenabstände); Maut auf der Rossfeldstraße nur bei Auffahrt nach 8 Uhr. Überlegenswert wäre es auch, die Tour in umgekehrter Richtung zu machen, da man dann die Schusterroute sowie die meisten schwierigen Stellen am Mannlgrat im weit interessanteren Aufstieg zu bewältigen hätte - nur die Kaminstelle und eine interessante Wand sind dann am Mannlgrat im Abstieg; allerdings geht auch der Überraschungseffekt bei den Felsdurchgängen verloren.

Bericht

Wieder einmal eine Solo-Tour, da sich an diesem schönen Juli-Wochenende alle im Urlaub befanden. Um 4:45 fuhr ich nach kurzer Nacht von Seefeld am Attersee ab; kurz vor 6 Uhr brach ich dann - einen kurzen Stau auf der Tauernautobahn hatte ich auch schon hinter mir - vom Parkplatz an der Rossfeldstraße auf. Von dort führt - zunächst nur zögernd an Höhe gewinnend, später dann steiler - eine Asphaltstraße hinauf zum Kehlsteinhaus. Nach und nach wurde ich wacher und konnte auf dem Kehlstein (mit seinem kitschigen Gipfelkreuz) den wolkenlosen Himmel über dem Berchtesgadener Land genießen. Im Osten war es noch sehr diesig; der weitere Weg auf dem Mannlgrat beginnt mit einem Abstieg durch eines von zwei Felslöchern. Es folgen weitere Meter Höhenverlust bis der Steig über wiesiges Gelände aufwärts und dann auf der Südseite entlang eines kurzen ausgesetzten Felsbandes, einem kurzen Steilaufschwung auf die Nordseite hinüber führt. So geht es weiter, hinauf, hinunter, nach scheinbar ausweglosen Sackgassen durch enge Felsdurchgänge, einmal links einmal rechts des zackigen felsbetürmten Grates, bis er letztlich nach einem etwa zehn Meter hohen mit Trittklammern und Griffhaken versehenem Wandaufschwung auf der Südseite bleibt. Hier folgen abwechselnd Gehgelände, ausgesetzte Querungen und Platten und ein nicht ganz einfacher Abstieg unter einem Überhang, weiters wiederum im Abstieg eine glatte beklammerte Wand und ein über 20 Meter hoher Steilabstieg mit guten Griffen. Da ich unterwegs sehr viele Fotos gemacht hatte, war ich bereits eineinhalb Stunden vom Kehlsteinhaus unterwegs, aber erst jetzt - nach etwa 200 Zusatz-Höhenmetern wieder auf der Höhe des Kehlsteinhauses angelangt - beginnen die letzten 700 Höhenmeter Gipfelanstieg, zunächst schottrig mit leichten Stufen geht es zwischen, spitzen Felstürmen hindurch zum Kamin, der angeblichen Schlüsselstelle, etwa 15 Meter, gut beklammert, im mittleren Teil mindestens senkrecht empor und hinaus auf die mäßig geneigte Karstfläche, die unendlich zäh und langweilig zum Gipfelrücken hinaufführt (Weggabelung). Wenig interessanter geht es weiter mit leichten Klettereien bei einer kurzen Engstelle und gleich darauf wieder öd weiter zum etwas schmächtigen Gipfelkreuz, wo um 10:20 schon einiges los war. Die Fernsicht war leider nicht mehr so toll, dennoch bis zu den Hohen Tauern im Süden; im Osten trieb der Wind Nebelfetzen herauf. Nach einer Stunde Sonnenbad und immer schneller werdender Quellwolkenbildung im Westen, begann ich mit dem Abstieg: zurück bis zur Weggabelung, von dort über die >>Schusterroute<< steil in einem Linksbogen durch eine sehr luftige, aber griffige Wand hinunter - Der Blick zurück ist wahrlich beeindruckend. Bis dorthin gibt es einen Parallelweg >>durch den Kamin<<, bei dessen Einstieg allerdings noch ein Schneefeld vorhanden war. Der weitere Weg zum Purtscheller-Haus ist sehr ungangenehm und nicht ungefährlich: Die vielen Felsstufen erlauben kaum einen normalen Schritt, ständig ist volle Konzentration gefordert; so war ich erst kurz nach 13 Uhr bei der Hütte, von wo es weiter steil hinunter zum Eckersattel, auf einer Schotterstraße und das letzte Stück auf der Rossfeldstraße zurück zum Parkplatz ging. Um 14 Uhr brach ich wieder auf. Das frühe Aufstehen hat sich auch dahingehend gelohnt, dass beim Hinunterfahren keine Maut kassiert wird.


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